Ein aufstrebender Kandidat für den Bau einer Eisenbahnlinie ist das auf einer sonnigen Terrasse lie-gende touristische Arosa. Zur Erschliessung des Kurortes gründet der Kanton eine Aktiengesellschaft, die Chur-Arosa Bahn. Im Sommer 1912 starten die Bauarbeiten unter der Leitung von Oberingenieur Gustav Bener und seinem Stellvertreter Hans Studer, dem Erbauer des Wiesener Viadukts. Bereits zweieinhalb Jahre später, am 12. Dezember 1914. wird der Bahnbetrieb eröffnet.
Chur: Die Strecke der Arosa Bahn beginnt auf dem Bahn-hofvorplatz. Den Zügen stehen die beiden Gleise 1 und 2 zur Verfügung und es besteht auch ein Anschluss zur Rhätischen Bahn. Rechts befindet sich das markante Hotel Steinbock, das 1899 gebaut wurde; eine kleine Baumallee davor lädt zum ge-mütlichen Verweilen ein. Beim Bahnhof Buffet dritter Klasse fährt soeben ein Cabrio Post-auto der Marke Saurer vor.
.Auf der Strecke verkehren vier blauweiss lackierte Triebwagen mit den Bezeichnungen BCFe 4/4 No 1.-4.., geliefert von der
Wagenfabrik Schlieren und der
BBC. Die Fahrzeuge weisen 16 Sitzplätze in der zweiten und 24 in der dritten Klasse auf, hinzu kommt ein Gepäckabteil.
Dieses schöne Werkphoto des Motorwagen No 1 entsteht vor den Werkstätten Sand. Sie be-finden sich am Stadtrand von Chur.
Der Bahnhofplatz strahlt eine
gewisse Ruhe aus. Es sind nicht viele Reisende unterwegs und der Verkehr ist spärlich. Der Bahn-
hof mit Baujahr 1878 besteht bis heute, muss aber im Laufe der Jahre mehrere Umbauten über sich ergehen lassen. Das erste Aufnahmegebäude baut die
Vereinigte Schweizerbahnen im Jahr 1858 zusammen mit der Linie von Rorschach nach Chur. Die Rh.B gliedert sich 1896 ein.
Das ist eine neuere Karte aus dem Jahr 1963, als die Post-
autos noch auf dem Vorplatz anhalten. Der Bahnhof mit seinem Umfeld ist harmonisch gestaltet und alles passt sehr gut zusammen. Als wir früher in den Sommerferien immer wieder nach Scharans fahren, hält mein Vater gern hier an. Wir verweilen auf dem Bahn-hofplatz und beobachten die Postautos und die Arosabahn.
Ähnlich einer Strassenbahn
bummelt die ChA Bahn durch die Stadt und erreicht beim
Obertor (13. Jahrhundert) das rechte Ufer der Plessur. Nun wird es ziemlich eng und der Lokführer muss konzentriert auf Fussgänger, Pferdewagen, Velos, gestresste Hausfrauen, Hunde bei Gassi etc. achten.
Es ist eine Ansichtskarte aus den frühen Tagen, noch sind die Strassen autofrei.
Ein Zusammenstoss mit einem solchen Fuhrwerk wäre fatal. Gemütlich trotten die Pferde dem Obertor vorbei, es kommt ja schliesslich kein Zug. Die Jungs in ihrer Uniform sind unterwegs zu ihrer Kaserne, welche vom Churer Architekt Johannes Ludwig von 1880 - 1887 gebaut wurde. Attrakti-ver ist aber die verwinkelte Innenstadt mit vielen kleinen Läden und heimischen Beizlis.
Ein talwärts fahrender Motorwagen fährt in Richtung Bahnhof. Sehr schön ist die von der Sonne beschienene Häuserfassade der Altstadt, die Brücke wurde für den kommenden Verkehr bereits verbreitert. Die Geschichte von Chur reicht weit zurück. Bereits vor 13'000 Jahren lebten steinzeitliche Jäger und Sammler auf dem heutigen Stadt-gebiet. Daher bezeichnet sich Chur als die älteste Stadt der Schweiz.
Weiter geht's der Plessur ent-lang in Richtung Depot Sand. Auf der rechten Seite befinden sich die herrschaftlichen Villen der städtischen Oberschicht; gemächlich fliesst der Fluss
talwärts in den Richtung Rhein. Ab der Stadtgrenze ist die Strecke dann gänzlich unab-hängig trassiert und führt als Gebirgsbahn über viele Kunst-bauten das Schanfigg hinauf nach Arosa.
Eine wunderschöne Karte aus den ersten Betriebsjahren. In der Station Lüen-Castiel steht ein BCFe4 mit drei 2 achsigen Personenwagen.. Davor posieren einige festlich gekleidete Männer, vermutlich sind es Persön-lichkeiten, welche mit der Bahn in Verbindung stehen. Es könnte sein: Oberingenieur Gustav Bener oder sein Stellvertreter Ingenieur Hans Studer, Alfons Rocco: Architekt der Stationen, Herrmann Schürch, Kon- strukteur des Langwieserviadukts, Bauführer A. Zwygart oder J. Fleury, Rätische Bahn Direktor Achilles Schucan, Vertreter der Politik und Wirtschaft und wer weiss ich noch alles.
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*** Von Tirano nach Zermatt, eine historische Bahnreise ***









