Standseilbahn auf den Muottas Muragl
Das Engadin als Destination des Upperclass Tourismus hat einen Anspruch auf besondere Attrak- tionen. So rattert 1907 erstmals
die Muottas Muragl Bahn in die waghalsige Schräge. Dabei bleibt den ersten Passagieren erst einmal die Luft weg, was ange-sichts der Rundum-Kulisse auch absolut verständlich ist. Bei der
pittoresk gebauten Talstation kann das Abenteuer beginnen.
Zur Beruhigung der Ausflügler muss erwähnt werden, dass die Technik der Standseilbahn auf modernsten Stand ist. Sicher-heit geht vor. Die neue Bahn kann sich mit einer Besonder-heit rühmen; der nach unten
fahrende Personenwagen wird mit Wasser betankt um so als mitziehendes Element den nach oben Kommenden auf den Berg zu ziehen. Auf der Photoglob Karte erreicht der Aussichts-wagen 2 gleich die Talstation.
Für damals stolze drei Franken ist es möglich, die Bergstation in einer kurzer Zeitspanne zu er-reichen. Dabei überwinden die beiden Wagen auf den beiden Kilometern eine Neigung von bis zu sechsundfünfzig Prozent. Im oberen Teil offenbart sich das wunderbare Panorama auf das Oberengadin mit seinen schönen Seen; der Blick reicht bis nach Maloja. Bald wird der Wagen
zwei die Bergstation erreichen.
Das ist eine frühe Aufnahme; die Mauern des Trassees sind makellos. Das Hotel befindet sich auf 2456m in steiniger Umgebung und rühmt sich mit einer geräumigen einladenden
Sonnenterrasse. Schon absehbar
wünscht sich die Hotellerie und die Gäste, dass der Berg auch
im Winter zugänglich sei. Ein Skilift wird jedoch erst 1963 gebaut, die offizielle Rodelbahn neunzig Jahre später 1997.
Ein paar Tatsachen der Bahn:
350 Arbeiter aus Italien sind am Bau beteiligt. Das Hütten-material wird mit Maultieren auf den Berg getragen. Wegen zu vielem Schnee werden die Ar-beiten im Winter eingestellt. Die Kosten geraten mit einer Über-schreitung von 50 Prozent aus dem Ruder. Ein Kondi verdient dazumal im Monat 150.- ein Maschinist 175.-, der Geschäft-führer/Direktor 4000.- inklusive Wohnung und Holzkohle.
Wer gerne wandert, nimmt die Füsse unter die Ärme und spa-ziert auf dem beliebten Höhen-weg in Richtung Schafsberg ob Pontresina. Die Fitten machen einen Abstecher via Segantini-hütte und die Wandercracks gar zum Piz Languard. Dabei ist die Aussicht auf das Berninamassiv stets gegenwärtig. Das Panora-ma dieser Ansicht ist auf die andere Seite ausgerichtet; auf
die Piz Ot Kette.
Muottas Muragl ist nun auch offen für die Wintergäste. Doch nicht jedermann war zufrieden mit der kommerziellen Öffnung der Berge. Simon Jenatsch, ein vehementer Heimatschützer ver-
übt im Winter 1907 einen An-griff auf die Bahn. Mit einem
Hammer zerstört er kurz die Bremsstation. Seine Absichten, die Talstation auch noch an-zuzünden, kann zu Glück recht
zeitig verhindert werden. Ende gut, alles gut; die Bahn fährt.
*** Von Tirano nach Zermatt, eine historische Bahnreise ***






