
Die Engadiner Linie zwischen dem Ober- und Engadin entstand als Zeichen gemeinsamer Hoffnung und Freundschaft. Touristisch weniger bekannt als die Albula- und Berninabahn ist sie landschaftlich nicht weniger attraktiv. Im Oberengadin dominieren die weiten Matten und die Fernsicht, im Unterengadin ist die Streckenführung mit den vielen Viadukten und Tunnels abwechslungsreich. Am 28. Juli 1913 erreicht der erste Zug mit über 200 Personen den Bahnhof Scuol.

Die Rhätische Bahn entscheidet sich zukunftsweisend für eine
Elektrifizierung. Den Strom für die Lokomotiven soll das Kraft-werk Brusio liefern, welches nun die Energiezufuhr vom Puschlav ins Engadin sicherstellen muss. Auf dieser Aufnahme schreibt der Absender unter der No 301, "Dies ist unsere Lokomotive in Bevers" Die Länge des Zuges ist beachtlich und auf den Perrons ist einiges los. Es ist eine Karte der ersten Tage.
In einem Rapport aus dem Jahre 1910 schlägt der Maschinenmeis-ter sieben kleine Lokomotiven mit dreihundert und vier Grössere mit sechshundert Pferdestärke vor. Es folgt die Ge 4/6 No 351, welche die erste elektrische Lokomotive in Graubünden ist. Ausgeliefert wird sie im Dezember 1912, eine bau-gleiche Schwesterlok folgt mit der No. 352 zwei Monate später. Die mechanischen Bestandteile liefert die SLM, die elektr. Ausrüstung die Maschinenfabrik in Oerlikon.
Die Entwicklung von elektrischen Loks für eine Spurweite von 1m war damals eine Pionierleistung, denn dies gab es vorher noch gar nicht. Die Rhätische Bahn beauf-tragt deshalb gleich drei Unter-nehmen mit der Entwicklung der Loks. Monate vor der Eröffnung finden zwischen Bevers und Zuoz die ersten Tests statt. Damals gab es auch Lokomotivführer, die mit den neuen Loks nicht fahren woll ten, denn viele fürchteten sich von der Elektrizität. Noch bis 1921 fahren stets zwei Lokführer mit.

Der Verlag Carl Künzli-Tobler
veröffentlicht ein Karte mit der Engadin und der noch dampf-betriebenen Albulabahn. Die Lok No 352 ist mit neuen vierachsi-gen Personenwagen in Bevers ein-
getroffen. Um Erfahrungen mit der Oberleitung zu machen, wer-den viele Versuchsfahrten durch-geführt. Gegenüber raucht eine
G 4/5 Dampflok vor sich hin. Die Fahrt über den Albula war anstrengend und die Lokomotive
muss nachgeschmiert werden.

Nach Bevers verläuft die Strecke
über ein weites offenes Gelände und erreicht La Punt Chamues. Das kleine Dorf liegt am Fusse der Albula Passtrasse Ironisch ist die Nachricht: Der Absender
teilt Martha mit, dass die Land-schaft schön, aber es ihr hier eher langweilig sei. (kein Handy!). Die Fahrt über den Albula habe ihr
allerdings gut gefallen; immerhin. Nun ja, die Party steigt woanders.

Die Ge 2/4 No 207 verlässt die kleine Station Ponte Campovasto.
Von diesem Lokomotivtyp kauft die Rhätische Bahn sieben Exem-plare mit den Nummern 201-207 Ausgeliefert werden sie von 1912 - 1913. Mit 300 Rösslis liegen sie kräftemässig im unteren Bereich, auch die Höchstgeschwindigkeit von 45 km ist nicht allzu schnell. Die 207 ist zusammen mit dem Krokodil 402 im Verkehrshaus der Schweiz ausgestellt.
Hier haben wir eine eigenartige
Ansichtskarte vom Verlag Feuer- stein aus Scuol. Was er sich wohl
dabei gedacht hat! Madulein er- kennt man kaum und der Enga-diner ist vorbeigefahren. Aber das
"Hippsche" Flügelsignal ist einen Hingucker wert. Es ist eine dreh-bare Scheibe, welches Matthäus Hipp 1862 für einige Bahnen in der Schweiz entwickelt hat. Und bei schlechter Witterung ist es zu- verlässiger als das Seilzug Signal

Den schweren Zugsdienst verrichten die grossen Ge 4/6 Lokomotiven, wie auf einer dieser Versuchsfahrten eindrücklich demonstriert wird. Je nach Fabriknummer haben die acht Maschinen eine Kraft von 600 bis 800 Pferdestärken und ziehen gleich mit den G 4/5 Dampflokomotiven No. 105-129 der zweiten Serie.
Diese tolle Werkaufnahme ist eine meiner neueren Engadiner Karten. Aufgenommen in perfektem Licht präsentiert sich die Lok mit seinem Lokführer im winterlichen Bevers; auch der Stationsvorstand gehört mit aufs Bild. Dieselbe Karte von den Pariser Bahnfreunden findest du bereits oben. Dessen Aufnahme musste ich der Qualität wegen be-arbeiten, die Ansichtskarte rechts konnte ich gescannt in Original übernehmen.
Bahnhöfe und Stationen haben
separat zum Aufnahmegebäude
einen eigenen Schaltposten. Dieser ist in einem gemauerten Gebäude
untergebracht und dient zum Ab und Anschalten der Stromzufuhr einzelner Oberleitungssektoren im Bahnhof und auf der Strecke. Die Anlage ist von Wetter geschützt, das ist in den Wintermonaten für den Vorstand von grossem Vorteil Fotoglob fotographiert den Bahn- hof Zuoz leider ohne Eisenbahn.
Das ist eine wunderbare Photo-karte von Gustav Sommer, der die alte Schneeschleuder für den Guggenheimverlag aufgenommen hat. Zusammen mit der Lok 391 und einem Wagen für technisches Personal hält sie Zuoz. Es könnte eine Inspektionsfahrt sein. Dass es sich um die Abnahme von 1913 handelt, ist eher unwahrscheinlich
Die Karte wurde im Frühling 45 gestempelt, die Anschrift ist neu und das Photopapier scheint mir neuwertig zu sein.
Coloriert käme die Blumenwiese besser zur Geltung, trotzdem; es ist eine schöne Aufnahme von der Gemeinde Zuoz. Ein Zug fährt in Richtung Unterengadin; beim Gepäckwagen steht ein Hippsche Signal. Ab 1900 entwickelt sich
der Tourismus stetig und löst die bis anhin dominierende Landwirt schaft langsam ab. Bekannt wird Zuoz wegen seinem international beliebten Internat.

In der weiten Ebene des Engadins kann der Lokführer seine Ge 4/6 munter fahren lassen, die Strecke
ist gerade mit geringem Gefälle. Am rechten oberen Kartenrand befindet sich die 1904 gegründete Elitenschule "Lyceum Alpinum" Das Schulgeld ist immens. Heute kostet ein Jahr Studium inklusive Vollpension locker achtzigtausend Franken. Doch dafür erhält der
Schüler den einzigartigen "Spirit of Zuoz", das ist ein "Schnäppli"!
Ein Star der Sammlung! Das wunderbare Unikat der 352 wurde in S-chanf aufgenommen, unmittelbar nach der Auslieferung anfangs 1913. Das Fahrwerk mit den Bandagen, die gusseisernen Speicherräder, die Stahlachsen und Triebachsen glänzen, die Lok in grün ist auf Probefahrt. Eine Herausforderung war, die Pantographen perfekt mit der Oberleitung abzustimmen, so dass diese stets in Kontakt waren. Eine knifflige Sache, vor allem in den Kurven. Perfekt, dass der Fotograph das Lok- und Stationspersonal integriert hat.
*** Von Tirano nach Zermatt, eine historische Bahnreise ***







