Das Veltliner Städtchen Tirano ist Ausgangspunkt unserer Reise nach Zermatt. Auf dieser Ansichtskarte befindet sich der Bahnhof Tirano in seinem ursprünglichen Zustand. Rechts im Bild steht das Aufnahme-gebäude der italienischen Bahn, dasjenige der Berninabahn wird 1927 erstellt. Der Fotograph nimmt sein Photo bei schönem Licht vor Sonnenuntergang auf.. Auf dem Hauptgleis wurde der BCFe4 No 7 abgestellt, ansonsten ist das Bahnhofareal menschenleer.
Nicht so auf dieser frühen Karte. Neben dem überdachten Perron wartet der Motorwagen No 21 auf die Abfahrt in Richtung Pu-schlav. Einige Mitreisende unter-halten sich mit dem Berninabahn Personal, es gibt immer etwas zu
erzählen. Das abzweigende Gleis vor dem Motorwagen führt auf die Remise, die gedeckten Güter-wagen gehören der normalspuri-gen FS. Der Streckenabschnitt
von Tirano nach Poschiavo wird am 01. Juli 1908 eröffnet.
Nach Ausfahrt aus der Stazione führt das Gleis auf die Bergseite der Strasse Vittoria Emanuele, welche als grosszügige Allee an-gelegt ist.. Ein Triebwagen fährt mit zwei Güterwagen nordwärts. Im Fluchtunkt befindet sich die Kirche Madonna di Tirano und..., in Bella Italien darf ein Strom-mast auch einmal krumm sein. Mit den Jahren wird es auf der Vittoria Emanuele wegen dem zunehmenden Strassenverkehr zu eng und deshalb erhält die Bahn ihr eigenes Trassee.
Die Basilica ist passiert und der Zug schwenkt in die Via Elvezia ein. Von der Eröffnung bis 1927 halten hier die Züge zwecks Zoll revision an. Ursprünglich sollten die zoll- und grenzpolizeilichen Angelegenheiten in Tirano abge-wickelt werden, damit kann sich die eidgenössische Zollverwaltung
jedoch nicht anfreunden. Sie ver-
langt von der BB-Direktion, in
Campocologno dafür eigens eine Kontrollstation einzurichten.
Das heisst, die italienischen Be-hörden installieren die Zollkon-trolle entlang der Via Elvezia, die Schweizer kontrollieren in Campocologno. Soeben hält der aus dem Puschlav eintreffende Triebwagen an der Haltestelle, auffallend ist der Strassenbahn Charakter der BB. Der Verkehr ist gering, ab und zu ruckelt eine
Kutsche oder ein Transportge- spann vorbei. Die Ansichtskarte ist einmalig und für den "Lieb-haber" eher schwierig zu finden.
Hier ist mehr Betrieb. Während eine Frau im Schatten auf die Bahn wartet, rollt eine Kutsche abwärts in Richtung Basilika, in der Gegenrichtung schleppt das Ross den Wagen aufwärts, davor
spaziert gemütlich ein Mann im Anzug. Aus sicherer Entfernung zur Zollkontrolle beobachten die beiden Buben unten rechts das Geschehen, vor der Unifom des Zöllners haben sie wohl Respekt.
Das Zollhaus steht noch heute., es wurde um einen Stock erhöht.
Zollkontrolle, eines meiner selten-sten Photo präsentiere ich ihnen schon auf der ersten Berninabahn Seite, phantastisch. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt beobachtet der Mann im Vorder-grund das Geschehen. Es scheint ein warmer August-Tag zu sein, trotzdem muss die Kontrolle ge-wissenhaft durchgeführt werden. Interessiert schauen die Reisenden aus dem Zug; den Personenwagen vorgespannt ist der BCe4 No. 10.
Der schon ungeduldige Lokomo-tivführer möchte gerne abfahren, er hat den Fahrplan einzuhalten.
Nach wenigen Kilometern sowie 110 Höhenmetern erreicht die Linie den Grenzort Campocolo-gno. Auf der linken Seite ob des Dorfes ist der Streckenverlauf zu erkennen. Campocologno er- hält eine gewisse Berühmtheit durch das in den Jahren 1904 bis 1907 errichtete Wasserkraft-werk. Es weist das weltweit am höchsten genutzte Gefälle von 418m aus und zieht technisch Interessierte aus aller Welt an.
Kartenausschnitt: Neben den beiden Grenzwärtern in unterschiedlich farbigen Uniformen ist eine Bar-riere montiert. Sobald abends der letzte Zug diesen Bereich passiert, wird die Strecke geschlossen. Eine Grenze ist schliesslich eine Grenze!
Aus dieser Perspektive haben wir einen übersichtlichen Blick auf das Dorf, den Gleisanlagen und auf den Bahnhof. Rechts befindet sich die katholische Kirche. Sie wird nach der Fertigstellung der Kraftwerke innerhalb von zwei Jahren gebaut (1910-1912) und dominiert visuell das Dorfbild. Mit fünfhundert Metern Höhe über Meer ist Campocologno die
tiefstgelegenste Schweizer Ort-schaft im Puschlav.
Diese rare Zweibildkarte gefällt
mir besonders gut. Sie zeigt das Gebäude der Zollkontrolle sowie den Bahnhof. Daneben posieren Angestellte und Kinder, der eher dunklen Farben wegen sind sie kaum zu erkennen. September 1911 wird die Karte gestempelt und erreicht nach bereits einem Tag Fr. Saly Ofrist in Esslingen.
Im Bahnhof wartet der Motor-wagen BCe 4/4 No. 2 mit einer fröhliche Reisegruppe, welche den Ausflug in der dritten Klasse ge-niesst, auf die Weiterfahrt. Die Ansichtskarte wurde mit "Saluti da Campocologno" angeschrieben. Jedoch steht der BCe4 in Brusio und wird südwärts weiterfahren, wie mir ein Berninabahn-Kenner mitgeteilt hat. Und es gilt: Das erste Klasse Abteil, dazumal die 2. Klasse, ist stets gegen Tirano ausgerichtet, die 3. Klasse gegen St. Moritz.
Schon bald erscheint das eigen-tliche Wahrzeichen der Bernina Bahn, der ästhetische originelle
Kreisviadukt von Brusio. Gebaut wird er vom Unternehmen Buss
in Basel unter der Leitung von Ingenieur Dr. E Bosshard. Man könnte behaupten: London hat den Big Ben, Rom das Kolosseum, Paris den Eiffelturm, Brusio den Viadukt. Der ist kleiner, dafür umso feiner. Schön coloriert sind die Weinreben-Terrassen und die Schneeberge im Hintergrund.

Der Viadukt wird am 1. Juli 1908 eingeweiht. Das Bauwerk ist eingebettet in schönster Kastanienbäume, einige wenige stehen heute immer noch. Hr Semadeni hat einen guten Standort für sein Motiv ausgesucht. Bei genauerem Hinsehen fällt beim Triebwagen auf, dass die beiden Lyrabügel nicht paralell an der Fahr-leitung angelegt sind; erstaunlich, denn so sollte man auf keinen Fall fahren.
*** Von Tirano nach Zermatt, eine historische Bahnreise ***










