Die Postkarte No 2 von Reinhardts Aufnahmen dokumentiert die Gesamtübersicht der Baustelle. Rudolf Anton Reinhardt wurde 1866 in Chur geboren. Er lässt sich in Salzborn zum Photografen ausbilden und eröffnet danach ein Geschäft in Chur und St. Moritz. Bekannt wird er mit Bahn- und Porträtaufnahmen.
Das ist die offizielle Postkarte zur Eröffnungsfeier von 1903. Unter Anderem wird zum Gedenken eine
Erinnerungsmünze angeboten. Ich
finde jedoch, für dieses grosse Fest gestaltet der Verlag die Karte zu einfach, es fehlt der Pepp und die Fantasie und ja, man könnte die Dampflokomotive einiges schöner skizzieren. Es wäre mehr möglich gewesen, Herr Beretta. Abgestem-pelt wird das rare Dokument am
Eröffnungstag dem 28. Juni 1903.
Der gleiche Verlag veröffentlicht eine frühe Stationskarte von Pre-da. Eine Mallet wartet auf die Weiterfahrt, doch zuerst wird für den Fotographen positioniert. Das gelingt bestens, allerdings hat das
Mädchen kein Interesse, sich von vorne photographieren zu lassen. Den Passagieren bleibt kurz Zeit, sich auf dem stillen Örtchen zu erleichtern. Ein solch letztes Ka-päusschen wurde mit dem Bau des neuen Tunnels in Spinas renoviert.

Unterhalb der Station durchquert ein Personenzug eine sonnendurch-flutene Alpenebene, welche bis zum Weiler Naz reicht. Dann beginnt das Labyrinth der vielen Tunnels, Galerien und Viadukte. Oft wird Preda mit den Piz Giumels foto-
graphiert. Sie dienen den Aufnah-men als markanter Hintergrund. Am Fusse dieser beiden Berge liegt der wildromantische Palpuognasee. Rathe Fehlmann hat einige schöne Albulabahn Karten veröffentlicht.

Das Rätsel der ineinander verflochtenen Viadukten und Tunnels wird mit dieser historischen Streckenkarte um einiges verständlicher. Viermal wechselt das Bahntrassee die Talseite. Die Ingenieure müssen beim Bau Friedrich Hennings Vorgaben von max 35 Promille Steigung und möglichst grosse Kurvenradien einhalten.
Der erste Spiraltunnel talwärts heisst Zuodra. Danach folgt eine
180 Grad Kurve; dabei überquert der Zug die Strasse und erreicht
den ersten kleineren Viadukt mit der schlichten Bezeichnung "IV". Dieser ist im Vergleich zu vielen
anderen Brücken optisch weniger imposant. Noch fehlen ihm einige Details wie das Geländer, sonst scheinen die Bauarbeiten fertig zu sein. Die Streckenarbeiter posen für Fotograph Anton Reinhardt.

Die Kutsche fährt von Preda her
fahrend in ein steiles S und eine schöne Aussicht auf den Viadukt III wird frei. Es steht ein letztes Element des Lehrgerüstes, aber bald wird die Brücke für den Be-trieb freigegeben werden. Photo-graph A. Reinhardt befindet sich
auf dem Streckentrassee, unweit oberhalb des Viadukts IV. Seine Aufnahme hat die Nummer vier, die letzte mir bekannte Karte ist mit der No. 129 angeschrieben.

Eine G 4/5 Dampflok überquert mit grosser Anhängelast das Tal
in Richtung Muot. Zuvor hat er die Maliera Galerie durchfahren und erreicht alsbald den zweiten Spiraltunnel mit der Bezeichnung
"Toua". Der ästhetisch klassische
Viadukt harmoniert optisch per-fekt mit der Landschaft. Von den nahe gelegenen Steinbrüchen wird Granit verbaut. Der Sand zum Anmischen des Mörtels lässt sich aus der Umgebung gewinnen und gelangt mit Wasser verdünnt über Holzkanäle zu den Baustellen.

Es muss den Fotographen einiges
an Kraft abverlangt haben, seine schwere Kamera- Ausrüstung an diesen Ort hoch über dem Tal zu transportieren. Dafür nimmt er aus der Vogelperspektive eine at-traktive Ansichtskarte auf. Ein langer Zug mit zwei Malletloks
verlässt die 180 Grad Kurve und fährt auf den Viadukt 3. Schon ist weiter unten die nächste Brü-cke im Blickfeld und die Strecke
wechselt wiederum die Talseite.

Elegant und anmutig präsentiert
sich das Bauwerk in der Morgen-sonne. Darunter plätschert der Bach von Arven umgeben munter das Tal hinunter. Die Postkarte stammt aus den ersten Betriebs-jahren und wird über den Atlan-tik nach Buffalo N. Y. North in Amerika spediert. Erstaunlich ist, dass sie den Weg wieder zurück in die Schweiz gefunden hat. Der Absender hat die Karte 2 Jahre nach der Eröffnung geschrieben.

Die acht Mallet Dampflokomotiven prägen seit der Eröffnung das Bild am Albula. Sie schleooen schwere Züge den Berg hoch, aber mit dem touristischen Aufschwung werden die Lasten noch grösser. Die Rhätische Bahn braucht nun stärkere Lokomotiven und diese Aufgabe übernehmen die G 4/5. Nach der Elektrifizie-rung werden die Mallets nach Madagaskar, der Yverdon-Ste.Croix-Bahn und an Spanien verkauft. Leider konnte keine dieser formschönen Dampflokomotiven vor dem Abbruch gerettet werden.
*** Von Tirano nach Zermatt, eine historische Bahnreise ***



