
In St. Moritz beginnt die faszinierende Albulabahn. Die Reise nach Thusis ist spektakulär und die Strecke mit Viadukten, Kehren und Tunnels in schöner Landschaft begeistert Reisende seit 1903. Im Sommer 1904 erreicht der erste Zug St. Moritz. Der Kurort ist bei der reichen und kultivierten Oberschicht beliebt und so entfaltet sich ein bemerkenswerten Pioniergeist; elektrisches Licht, die erste Skischule, das erste Tram usw. Im Bahnhof steht eine G 4/5 Dampflok mit "fahrender" Rauchfahne", die der morgendliche Malojawind verursacht. Hinter dem Depot befindet sich das Hotel Bahnhof und in erhöhter Lage das Waldschlösschen.

Ein Tramwagen fährt vom Post- platz in Richtung St Moritz Bad. Die Verbindung wird 1896 gebaut und ist die alleinige Strassenbahn Graubündens. Es verkehren vier Ce 2/2 mit je zehn Sitzplätzen. Ein einfacher Ausflug kostet zwanzig Rappen, das Hin- und Retourbillet 10 Rappen mehr. Das letzte Tram verkehrt 1932. Dem Unternehmen ist eine Sanierung zu teuer und deshalb übernehmen die Postautos den Personentransport.
Mit viel Liebe zum Detail wurde das Aufnahmegebäude entworfen. Davor positioniert sich die neue starke Dampflokomotive G 4/5 No. 103 mit einigen Angestellten am späteren Nachmittag. Es ist Sommer und dennoch ist die Lok mit einem Schneepflug unterwegs. Es gibt eine weitere wunderbare Aufnahme am selben Tag (siehe unten). Ende Juli 1905 stempelt der Posthalter die Karte ab und verschickt sie nach Antwerpen.

Diese Übersichtskarte verdeutlicht das Bahnhofgelände, den See mit dem Infall und das Quartier von Moritz Bad. Die Drehscheibe ist noch im Bau, die Geleise scheinen aber komplett zu sein Im Zentrum steht das Hotel Bahnhof. In den ersten Betriebsjahren erhebt die Rhätische Bahn einen alleinigen
Anspruch auf das Bahnhofareal
Nur mit einem Gerichtbeschluss
konnte sich die Bernina Bahn der Rhätischen Bahn anschliessen.
Der Dampfzug aus Chur kommt nach einer vierstündigen Fahrt an und für einen kurzen Moment pulsiert das Bahnhofleben. Freunde begrüssen sich, Reisenden steigen in die wartenden Kutschen und viel Güter muss ausgeladen werden. Das Bahnhofgelände ist grosszügig angelegt. Es gibt eine Vision, die Strecke weiter nach Chiavenna zu führen, aber nach Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde diese Idee wieder verworfen.
Das Hotel Kulm schreibt Pioniergeschichte. Hotelpionier Johannes Badrutt bewundert 1878 an der Pariser Weltausstellung eine elektrische Beleuchtungsanlage. Er ist derart fasziniert, dass er noch im selben Jahr in St. Moritz eine kleine Wasserturbine in Betrieb nimmt. Bereits im Sommer 1879 erstrahlen im Speisesaal des Kulm Hotels die ersten elektrischen Kohlebogenlampen, es ist das erste elektrische Licht in der Schweiz.
Dies ist eines meiner erstklassigen Rhätischen Bahn Dokument und ich wünschte es mir schon lange in meiner Sammlung.. Nach vierzig Jahren ist es nun wahr geworden. Die Dampflokomotive G 4/5 No 103 steht vor dem Bahnhof und lässt sich mit Lok- und Stations- personal ablichten. Photograph R. Guler hat diese Szenerie bewusst arrangiert, dabei kommen die ver- schiedenen Details in der Abend-sonne hervorragend zur Geltung.
Jetzt wird geklotzt, die Eisenbahn bringt mehr und mehr Gäste. Vor dem Bahnhof dominiert das Hotel Bristol, ehemals Hotel Bahnhof und später in Bellaval umgetauft, im Zentrum von St. Moritz liegt das Grand Hotel und das Palace, in erhöhter Lage oben rechts steht
das Kulm Hotel. Eine neuer Weg führt entlang dem Seeufer. Nach und nach werden die verbliebenen
Grünflächen neuen Bauprojekten weichen müssen und das ehemals beschauliche Dorf entwickelt sich wie Davos zu einer alpinen Stadt.
Interessant ist diese Ansichtskar-te. Links sehen wir das Portal des Charnadüra Tunnels, welcher erst
kürzlich fertiggebaut wurde. Auf der rechten Seite befindet sich der Auslaufkanal des Sees, er wurde für die Stromgewinnung angelegt. Aus dieser Quelle wird auch die
Oberleitung des Trams gespiesen und das Kulm Hotel bezieht seit 1887 Strom. Weniger schön ist das Wehr Eisengeländer und der Innfall kommt nicht zur Geltung.
Ein ursprüngliches Dorf inmitten unberührter Natur. Noch gehört Celerina den Einheimischen, noch ist der Tourismus fern. Eine Mal-let verlässt mit ihrem gemischten Zug den Bahnhof nach Samaden. Zwischen dem Dorf und Pontre-sina befindet sich der Stazerwald und der malerische Stazersee, der im Sommer zu einem erfrischen-den Bad einlädt. Im Jahr 1906 eröffnet in Celerina das bekannte Cresta Palace den Tourismus.
"Ein Wintermorgen im Engadin"; so betitelt die Engadin Press die frisch verschneite Landschaft bei Celerina. Ein Zug hat die Brücke über den Cresta Run überfahren und nimmt mit einer imposanten Rauch- Dampffahne die letzte Steigung in Richtung St. Moritz in Angriff. Zwei kleinere Pferde-schlitten sind mit Waren unter-wegs. Kompliment an den Photo-graphen. Bei diesen Verhältnissen eine solch perfekte Aufnahme zu machen, zeigt ein grossen Können.
Bäuchlings, Kopf voran und die Nase nur wenige Zentimeter über dem Eiskanal donnern sie von St. Moritz hinunter nach Celerina. Auf einem Selekton, einem massiven Stahlgerippe mit zwei Kufen und ohne Bremse kreuzen sie die Albulabahn und erreichen Cresta, einen Ortsteil von Celerina. Der 1884 gebaute Run wird bei den hartgesottenen Fans nebst dem benachbarten Olympia Bobrun als die "zweitgrösste Eisskulptur der Welt" bezeichnet. Jeden Winter wird gebrettert und die waghalsigen Rennen sind bei den furchtlosen rauen Engländern besonders beliebt.
*** Von Tirano nach Zermatt, eine historische Bahnreise ***









